Mehr als Stadt, Land, Fluss. Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann, hg. von Lutz Vogel, Ulrich Ritzerfeld, Melanie Müller-Bering, Holger Th. Gräf und Stefan Aumann, Neustadt an der Aisch 2020, ISBN 978-3-87707-197-7.

 

Ein großartiges Geschenk, diese Anthologie – für eine großartige Historikerin, die sich in den Ruhestand verabschiedet. Glückwünsche auch von unserer Seite!

Ursula Braasch-Schwersmann und das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg

Ursula Braasch-Schwersmanns Forschungsstätte war das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg, wo sie seit 1979 über vier Jahrzehnte wirkte und das sie über lange Jahre leitete. Beeindruckend ist daher die Liste und Bandbreite von Veröffentlichungen (S. 391–397), bahnbrechend aber der Verdienst, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den digitalen Fortschritt ab den 1980ern wie leider viel zu wenige ihrer Zunft und Generation als „Handwerkszeug“ zu nutzen, etwa in Form des im Hause entwickelten „Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen“ (LAGIS). Inhalte, Forschungsergebnisse und Fotoschätze wurden so nicht nur der Wissenschaft besser nutzbar gemacht, sondern gemäß eines demokratischen Bildungsbegriffs und einer letztlich von Steuergeldern bezahlten Forschung auch einer interessierten Öffentlichkeit.

Mehr als Stadt, Land, Fluss - Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann

Die Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann

Die Festschrift ist ein Florilegium im besten Sinne, ein „frischer, bunter Strauß von Essays“, wie die Herausgeber in ihrer Einführung betonen. Die Blumen oder vielmehr Beiträge auf rund 400 Seiten stammen, inhaltlich mehr oder weniger an das Werk der Jubilarin geknüpft, aus der Feder von sage und schreibe 79 (männlichen wie weiblichen) Kollegen, Freunden und Schülern. Persönlich „überreicht“ werden sie von der hessischen Ministerin Angela Dorn für Wissenschaft und Kunst. Dabei klingt bei allen fachlichen Honeurs aber auch viel Lob für eine ungewöhnlich aufgeschlossene und engagierte sowie kollegiale und humorvolle Persönlichkeit durch.

Und tatsächlich erweist sich der Blumenstrauß bei genauerer Betrachtung als äußerst vielfältig, anregend und kurz-weilig sowie sehr ansprechend verpackt, sprich: sorgfältig gesetzt und liebevoll gestaltet. „Stadt, Land, Fluss“ – das ist auch gleich das erste „Wissensgebiet“. Wie im allseits bekannten Schreibspiel reihen sich die folgenden Aufsätze in neun weitere Sparten ein, so etwa „Personen und Familien“, „Religion“ und „Orden“ oder „Bildung“, aber auch „Essen und Trinken“, „Landesgeschichte“ und „Medien“ nebst „Quellen und Literatur“. Keine der Kategorien ist jedoch so „tierisch“ unterhaltsam (und pädagogisch wertvoll) wie die „ Animalia“, wo Geschichte(n) um eine ermordete Kuh oder einen gemeuchelten Hund, (il)legaler Vogelfang, „akademische“ Pferde sowie Neufundländer auf vier Pfoten garantiert geneigte Leser finden wird bzw. werden. Was will man also „mehr als Stadt, Land, Fluß“?

Gedruckt wurde der Band übrigens mit großzügiger Unterstützung der 1992 gegründeten Lesser-Stiftung, einer Familienstiftung, die sich in der Tradition des Theologen und Historikers Friedrich-Christian Lesser (1692–1754) aus Nordhausen besonders der Förderung der thüringischen und mitteldeutschen Landesgeschichte widmet. Und dass der Lauf der Geschichte weder am Lauf der Fulda von Süd nach Nord noch in ihren Einzugsgebieten in Ost und West, links oder rechts, halt macht oder gar versickert, sondern fließend vereint, das zeigt der Ausschnitt aus einer Stromkarte der Fulda von 1597 auf dem Titel nur allzu symbolträchtig.

So muss Geschichte sein! In jedem Fall mehr als Stadt, Land, Fluss. Und das können leider nur wenige … Ursula Braasch-Schwersmann zählt sicher dazu.

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