Alt – Gunzenhausen

 

Alt-Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Heft 73/ 2018, herausgegeben vom Verein für Heimatkunde Gunzenhausen, Neustadt an der Aisch 2018.

Rodenstein

Der „fernöstliche Sinn der Franken“ von keinem Geringeren als Rückert diesem -auch meinem- Volkstamme bescheinigt, führt manchmal auch in abseitige Niederungen.
So sticht mir aus dem Heft 73/2018 Altgunzenhausen vor allem ein Beitrag in’s brechende Auge: Es ist der von Prof. Mildenberger: „Bemerkung gemeingefährlich – Leben und Werk des Schriftstellers Ferdinand Karl Holzinger alias Ferdinand Rodenstein (1881-1938)“.

Es handelt sich hierbei um Ferdinand Rodenstein (das ist F. K. Holzinger) im täglichen Leben ein Kleinkrimineller, in der literarische Sphäre ein Nachahmer und Plagiator.

Titel wie „Der Hochmütigen Bändigung“, dieser wohl William Shakespeare entliehen, inhaltlich aber an Marquis de Sade angelehnt, auch was die ewig gleiche Wiederholung des erotischen Rituals anbelangt und andere, wie:
• Die rote Sonne Beiträge zur Sittengeschichte unseres modernen Kulturlebens, Bordellgeheimnisse und ein Dirnenleben;
• Lingamfeste. Bekenntnisse eines Lesbiers. Beiträge zur Sittengeschichte;
• Der Berggeist vom Oeselberg. Eine Altfränkische Dorfgeschichte;
• Sonnenrosenfrühling. Erotische Dichtungen;
sowie eine Übersetzung von
• Paul Verlaines, Frauen. Vollständig freie deutsche Umdichtung von Ferdinand Rodenstein (d.i.F.K. Holzinger);
werden heute noch im Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher zwischen 50 und 260 Euro gehandelt.

Ferdinand Karl Holzinger alias Ferdinand Rodenstein

Der dem Schnauiz aus der Feuerzangenbowle frappierend Ähnliche wird dann auch im „Carpe Diem – Das Kulturmagazin für Altmühlfranken“ als „Pornoprinz aus Gunzenhausen“ bezeichnet.

 

 

Nun gut: Die anderen Artikel seien darumbe nicht minderbewertet. Aber: es ist halt gar zu schön !                                               (by Adalmar Friedensrych)

 

Alt-Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Heft 73/ 2018, herausgegeben vom Verein für Heimatkunde Gunzenhausen, Neustadt an der Aisch 2018,

Aufgepasst/ aufgemerkt, Geschichtsfans und Heimatverbundene (nicht nur) im südwestlichen Mittelfranken und dem Fränkischen Seenland! Wieder einmal kann der vorliegende Band auf 335 Seiten und in elf Beiträgen von zwölf Autoren eindrucksvoll belegen, wieviel historisches Wissen im Allgemeinen und in unendlich vielen „Puzzlesteinen“ samt Überraschungen die oft ehrenamtliche Regionalgeschichtsforschung immer wieder zutage fördert. Versehen ist dieses aktuelle Potpourri mit einem einführenden Vorwort des Vorsitzenden Werner Falk, das anhand der guten, knappen Zusammenfassungen dem Leser vorweg einen sehr nützlichen und hilfreichen Überblick bietet.

So behandeln einleitend W. Kugler und der Stadtarchivar W. Mühlhäußer „Andreas Osiander und seine Verwandten in Gunzenhausen und Meinheim“, G.L. Niekel dagegen „Die Schlösser von Muhr“, Teil 2, sowie W. Mühlhäußer, W. Neumann und G. Prechter „Die Ziegeleien in Gunzenhausen und Cronheim“. M. Keßler untersucht anschließend die sog. „Haidstangen von Unterwurmbach“, während sich der Beitrag von D. Schönwald der „Rieter-Gruft in der Kalbensteinberger Kirche…“ samt den berühmten Mumien, der von W. Mühlhäußer den „‘Jubelhochzeiten‘ in Gunzenhausen“ und jener von S. Buchner „Wolfgang von Crailsheim und Johann Ulrich von Crailsheim, Gunzenhäuser Oberamtmänner im 17. Jahrhundert…“ widmet. Es folgen Teil 2 von „Das Haus- und Jahrbuch von Paul Dayb, Oberkaplan in Gunzenhausen…“ als Quelle zur Gunzenhäuser Sozialgeschichte 1694–1735 von W. Pfahler, „Die Priester in der Katholischen Pfarrei Gunzenhausen 1897 bis 2017“ von G. Dischinger und „Bemerkung: Gemeingefährlich…“ zum Leben und Werk des Skandal- und (Porno-?) schriftstellers Ferdinand Karl Holzinger alias Ferdinand Rodenstein von F.G. Mildenberger. Das Thema Bäder und Badetherapie auf der Hensoltshöhe im letzten Beitrag („…und soll derselbe nach Vermuthungen eine Naturheilanstalt errichten…“) gibt einen kleinen Rückblick auf Wellness-Konzepte anno dazumal, ist verfasst von J. Schnürle und lässt das heimatgeschichtliche Allerlei ebenso entspannt wie ganzheitlich ausklingen.