Karl Borchardt, Jesko Graf zu Dohna, Johannes Schellakowsky Peter A. Süß (Hrsg.): Paulus Papius – Chronik der Grafen zu Castell (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Reihe I: Fränkische Chroniken, Band 8)

 

Mit diesem Band erscheint eine wichtige Quelle für die fränkische Geschichtswissenschaft erstmals in kritischer Edition und mit ergänzenden Kommentaren, nämlich die Chronik der Grafen zu Castell, die von deren langjährigem Sekretär Paulus Papius aus Iphofen in den Jahren 1604 und 1605 als Handschrift angefertigt, danach aber bislang nie in Druck gegeben wurde. Nun liegt sie als Veröffentlichung der Gesellschaft für fränkische Geschichte vor, erweitert durch einführende Texte zu ihrer Entstehung und Bedeutung sowie durch zahlreiche hilfreiche Anhänge und Register.

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Ein Gegenentwurf zur bischöflichen Geschichtsschreibung

 

Die Chronik des Paulus Papius diente in erster Linie dazu, eine eigene Darstellung der fränkischen Geschichte zu zeigen, die sich absetzen sollte von den bischöflichen Werken, die die Machtansprüche des Hochstifts Würzburg und seiner Regenten rechtfertigten und betonten. Im Gegensatz dazu sollte Papius im Sinne seines Auftraggebers die Bedeutung des fränkischen Adels und insbesondere der Grafen zu Castell hervorheben und stärken.

Papius hatte Zugang zu zahlreichen Dokumenten und Urkunden sowie zur Bibliothek der Grafen, durch die ihm viele Werke seiner Zeitgenossen, aber auch des Mittelalters und der Antike, zur Verfügung standen. Die im lateinischen Originaltext wiedergegebenen Dokumente sowie Zitate aus Geschichtswerken und Literatur verschiedener Epochen bezeugen die humanistische Bildung des Autors und seinen Wunsch, die Herrschafts- und Besitzansprüche des Hauses Castell durch entsprechende Urkunden zu belegen.

Erbfolge, Herrschaftsansprüche und Beispiele guten Verhaltens

 

Die Rechtfertigung der gräflichen Ansprüche wird bei Papius aber nicht nur aus ihm vorliegenden Urkunden abgeleitet, sondern auch durch eine Einreihung in eine, allerdings nachweislich fiktive, Linie der ersten fränkischen Herzöge, die er der Darstellung des Johannes Tristhemius entnommen hatte. Papius‘ Geschichtswerk bleibt bei allen humanistischen Idealen und aller Sorgfalt, die sein Schaffen bestimmten, eine Auftragsarbeit, die keine objektive Geschichtsbetrachtung sein will, sondern ganz dem Zweck der gräflichen Selbstdarstellung dient. Darüber hinaus sollten die geschilderten Handlungen ihrer Vorfahren nach Möglichkeit den amtierenden Grafen auch als Wegweiser für ein gutes, dem christlich-protestantischen Glauben gemäßes Regierungshandeln dienen.

Die Chronik des Papius ist also in mehrfacher Hinsicht eine bedeutende Quelle zur fränkischen Geschichte, nicht nur, weil sie viele interessante Informationen enthält und ihrerseits wichtige Quellen zitiert, sondern weil sich an ihr zeigen lässt, wie Geschichtsdarstellungen zum Instrument der Legitimation von Herrschaftsansprüchen werden können.

 

„Paulus Papius – Chronik der Grafen zu Castell“, herausgegeben von Karl Borchardt, Jesko Graf zu Dohna, Johannes Schellakowsky und Peter A. Süß, ist als Band 8 der Reihe I der Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte mit der ISBN 978-3-86652-008-0 als fadengebundener Festeinband im Verlag PH.C.W. SCHMIDT erschienen. Der Ladenpreis beträgt 65,00 €.