Kletterwelten im Elbsandstein, Bewegung in der Landschaft, Begleitpublikation zur Dauerausstellung im Museum Bad Schandau, hg. von Hanka Owsian in Zusammenarbeit mit Michael Scholz, Neustadt an der Aisch 2019.

Kletterrouten im Elbsandstein

Das Elbsandsteingebirge. Schwere Routen im sächsischen Sandstein.

Diese Reise, dieser „Trip“, geht ins Elbsandstein, ins Felsenreich zu den „Herrn der Ringe“ und ebenso legendären wie verwunschenen Orten mit Namen wie „Barbarine“ oder „Affensteine“ im äußersten (Süd-)Osten der heutigen Bundesrepublik. Es ist dabei weit mehr als eine bloße Geschichte des Freikletterns in der sächsisch-böhmischen Schweiz, eher ein Eintauchen in die tollkühne Welt nichtalpiner, athletischer Felsakrobatik, den Kraxelsport am senkrechten Stein abseits der Hochgebirge und eine völlig „abgehobene“ (oder auch abgedrehten) „Bewegung in der Landschaft“, so der Titel, im Osten Deutschlands und dem heutigen Tschechien seit den 1860er Jahren.

Klettern im Elbsandstein seit 1864.

Wie erinnerlich war der Deutsche Alpenverein 1869, der englische „Alpine Club“ gar schon 1857 gegründet worden, einer Zeit der globalen Entdeckung und Eroberung von Welt und Natur, da es an der Elbe nahe Pirna auch die senkrechten Wände an Falkenstein, Mönch oder „Lokomotive“ zu erobern und -klimmen galt. Das war „Bouldern“, lange bevor es im Westen ab den 1980ern „cool“ zu werden begann: ob spektakulär im Sprung in hanfbesohlten Segeltuchschuhen (ab 1890; S. 39) oder äußerst lässig barfuß mit lederner Bux und revolutionärer Zipfelmütze (um 1945; S. 75). Allein die Fotos – grandios!

Elbsandstein, Frankenjura und Rotpunkt.

So fehlt auch der Hinweis nicht, dass nämlich westdeutsche Kletterer aus dem Frankenjura – wie z.B. Walter Wärthl – teilweise schon vor der Wiedervereinigung im Elbsandstein klettern waren. Und wir wissen auch – ohne den genauen Zeitraum zu kennen – von Besuchen von Kurt Albert+, von Norbert Sandner, von Wolfgang Güllich+ (cf. Seite 113) und anderen Größen des Frankenjura und Rotpunktkletterns im Elbsandstein. Diese waren erstaunt über die Schwierigkeiten der dortigen Routen und vor allem die langen „Run Outs“ mit nur einer Knotenschlinge als Zwischensicherung. Daher: Elbsandstein – Nichts für Feiglinge!

Wolfgang Güllich im Elbsandstein

Wolfgang Güllich in „Eiszeit“, 1985.

Einzigartiges Bildmaterial.

Ein ebenso großartiger wie großformatiger Bildband, durchweg zweisprachig Deutsch-Tschechisch, gegliedert in die Themenfelder Tradition, Lebenswelt und Leistung – nicht nur für Kletterer und sächsische oder tschechische Freaks. Förderung und Mitfinanzierung kam hier sogar von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Projektes „Für Bergsteiger gibt es keine Grenzen“. Wie wahr. Vom Klub „Schwarzer Kamin“ 1904 zur Kommerzialisierung seit den 1990ern und zurück in einer Stunde …  Markierung: Rotpunkt, Schwierigkeiten beim Blättern: keine. Auf jeden Fall überirdisch, völlig losgelöst (von der … ) und letztlich auch irgendwie „spaciger“ als die ganze Welt-Traum-Technik-Sache à la Musk …