Das Jakoberhaus – Die Deportation Kärntner Slowenen in das Lager Hagenbüchach

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248 Seiten
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Format 12,5 x 19 cm

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Beschreibung

Das Jakoberhaus

Jeder Mensch soll frei sein! Als im April 1942 die Gestapo, die SS und die örtlichen Helfershelfer der NSDAP im österreichischen Kärnten mehr als 1.100 Kärntner Slowenen zusammentrieben und zur Zwangsarbeit ins Altreich, vor allem nach Franken deportierten, nahm man ihnen alles: Ihre Heimat, ihre Würde, ihre Freiheit und manchmal auch ihr Leben.

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der im Jahr 1942 in das kleine, mittelfränkische Örtchen Hagenbüchach verschleppt wurde und dem – für immer gezeichnet – erst 1945 die Rückkehr in seine Heimat gelang. Vieles hat sich tatsächlich so oder so ähnlich ereignet.

Es ist dies ein Buch, das Fragen aufwirft über Schuld und Unschuld. Verantwortung und Verantwortungslosigkeit. Über Gut und Böse. Die Frage ist nicht, kann so etwas im heutigen Europa wieder geschehen – die Frage ist, was können wir tun, damit so etwas nie wieder passiert!

Pfad der Tränen „Es waren nur drei kräftige Schläge gegen unsere Haus- türe. Im April 1942. Frühmorgens um halb sechs. Da weißt du, dass etwas nicht stimmt. Als Vater aufmachen wollte, flog ihm die Tür auch schon krachend entgegen. Ich stand auf der Stiege und sah die Männer in Uniform, wie sie Vater und Mutter hektisch mit ihren Taschenlampen ins Gesicht leuchteten und schrien. Deutsch und Slowenisch, wild durcheinander. Mutter zitterte am ganzen Leib und flüsterte mir ängstlich zu: ‚Wir müssen fort.‘ ‚In einer Stunde herrscht hier Ordnung, dann seid ihr raus!‘, brüllte ein junger SS- Mann, dessen Stimme sich fast überschlug. Diese Deutschen waren mir nicht nur unheimlich, die konnten auch nicht richtig sprechen, sie bellten wie die Hunde, seltsame Laute gaben sie von sich. […]“

Zusätzliche Information

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6 Bewertungen für Das Jakoberhaus – Die Deportation Kärntner Slowenen in das Lager Hagenbüchach

  1. Clara Hofmann

    15. Mai 2017
    „Das Jakoberhaus“ ist der Debütroman von Bertram Schacher und ist 2017 im Verlag PH. C. W. SCHMIDT erschienen. Es ist eine fiktive Erzählung aus dem ländlichen Franken während des zweiten Weltkriegs und beruht auf wahren Begebenheiten. Einer unbequemen Wahrheit. Der Tatsache, dass im sogenannten „Jakoberhaus“ während der Nazi-Herrschaft deportierte Kärntner Slowenen einquartiert waren. Ein Anwesen, das mit seinen unzähligen Erkern einen architektonisch sehr auffälligen und für die Lage im mittelfränkischen Dörfchen Hagenbüchach sehr ungewöhnlichen Bau darstellt. Weil das Leben, die Umstände und die örtlichen Gegebenheiten der damaligen Zeit vom Autor sehr gewissenhaft recherchiert sind, ist die Geschichte unglaublich detailgetreu und macht es dem Leser leicht, in die damalige Zeit einzutauchen.

    Der Großvater Franz, auf dem Sterbebett liegend, erzählt seinem Enkel Stefan und dessen Freund Max seine Geschichte aus den Jahren 1942 bis 1945. Es geht dabei nicht um einen profanen Rückblick. Birgt die Zeit des Nationalsozialismus an sich schon leidvolle Erfahrungen, so ist das Erleben von Zwangsaussiedlung und Repressalien emotional noch tiefer gehend. Insgesamt wurden mehr als 1.100 Kärntner Slowenen aus ihren Häusern und von ihren Höfen vertrieben und ins Altreich zur Zwangsarbeit verschleppt. Etwa 100 von ihnen landeten im „Jakoberhaus“ von Hagenbüchach. Eine der unglücklichen Seelen ist der damals 15-jährige Franz. Zuerst in wochenlanger Quarantäne den dumpfen Lagerkoller ertragend, werden viele Insassen anschließend zur Zwangsarbeit gezwungen. Verstreut über das ganze Umland. Erneut von ihren Familien getrennt. Oft nur am Wochenende die Möglichkeit zur Rückkehr in die gemeinsame Unterkunft. Ihre Arbeitsstätten sind in der Industrie, bei hochgestellten Bonzen der SS und der NSDAP oder eben bei Bauern. Auch der Protagonist verrichtet seinen Arbeitseinsatz als Erntehelfer bei einer Bauersfamilie im Nachbardorf Pirkach, die aus ihrer Abneigung gegen den Faschismus keinen Hehl macht, sich aber auch nicht gegen die örtlichen Strukturen stellt. Zwischen der Bauerstochter Anna und dem Fremdarbeiter Franz entwickelt sich eine nicht ausgesprochene Jugendliebelei, die letztlich wegen des Alters der beiden, den Zeitumständen und der kurzen Aufenthaltsdauer nicht ausgelebt werden kann. Die wenige Freizeit wird gut genutzt und so unternimmt der Junge einen Ausflug nach Cadolzburg, besucht seinen Freund Franz, der in der Buchdruckerei C. Hessel in Feucht zum Arbeitsdienst eingesetzt ist und verabredet sich mit Anna im Fürther Freibad. Gegen Ende des Romans wird der junge Franz mit 16 Jahren noch zur Flak eingezogen, macht sich auf zum Fliegerhorst Atzenhof und kämpft in der deutschen Wehrmacht für das Deutsche Reich, das seinerseits ihn und seine Landsleute deportierte. Diese Einberufung der wehrfähigen Kärntner Slowenen führte dazu, dass sich in den Karawanken starke Partisanenverbände bildeten, in denen desertierte Kärntner Slowenen gegen den Faschismus Widerstand leisteten. Auch das ein Thema, das der Autor mit den gekonnt eingesetzten Quergedanken und Dialogen seiner Figuren sehr anschaulich behandelt. Ende April schlägt sich der Protagonist schließlich über Nürnberg zu den Eltern und der Schwester durch, die mittlerweile nach Eichstätt gebracht wurden. Nach einem aufreibenden Zwischenfall stranden sie endlich in Klagenfurt. Und dann geht es heim. Heim ins Nichts. Zu einem verlassenen, leer geräumten Hof. Mit einer blühende Ackerdistel als Zeichen für den steinigen Neuanfang und den Kampf zurück ins eigene Leben.

    Das Buch lebt eben nicht nur vom Lokalkolorit, von auftauchenden bekannten Persönlichkeiten und namentlich erwähnten Betroffenen. Von Figuren wie dem Lagerleiter und SS-Untersturmführer Übler, der so anschaulich beschrieben wird, dass er sich in seiner schwarzen Uniform und seinem Parteigehabe förmlich plastisch aus den Zeilen schält und zusammen mit dem beflissenen und schmierigen Hilfslagerführer und Hausmeister Schmidt Grauen und Wut beim Leser erregt. Hart und emotional aufreibend berichtet der Autor mittels Opas Aufzeichnungen, die von ihm gut in einer Schachtel gehütet sind, von tatsächlich stattgefundener Folter und Ermordung unschuldiger Kärntner Slowenen. Wie die nüchterne Aufzählung der von einer SS-Patrouille getöteten Mitglieder der Familien Sadovnik und Kogoj, deren slowenischer Bauernhof zu den ersten Stützpunkten der Kärntner Widerstandskämpfer zählte. Und nicht zuletzt der erschütternde Abschiedsbrief von Maria Peskoller an ihren Mann und ihre Kinder, deren Weg nach der Verhaftung ihres Mannes in den Widerstand führte, die gefangen, im Landgerichtsgefängnis in Klagenfurt zum Tode verurteilt und einen Tag vor Heiligabend enthauptet wurde. Die eigenen Augen brennen nicht nur dabei. Auch wenn die Bewohner des Jakoberhauses, angestimmt vom alten Čemernjak, an Weihnachten „Nach der Heimat möcht‘ ich wieder“ singen, ihrem Schicksal und den Daheimgebliebenen gedenken und die Tränen nicht nur bei diesen, sondern auch bei Opa Franz über die Wangen laufen.

    Gekonnt gewählt ist auch die ERZÄHLSTRUKTUR des Buches. Obwohl Opa Franz als Erzähler in die Vergangenheit eintaucht, findet über die Einbeziehung des Enkels Stefan und dessen Freund Max eine ständige Interaktion und Reflexion statt, die den Leser in aktuelle Geschehnisse des Hier und Jetzt zurückholt. Weil Max Opas Geschichte parallel niederschreibt und den Leser an seinen eigenen Gedanken zu dessen Erlebnissen teilhaben lässt, erhält der Roman eine zusätzliche Tiefe und Vielschichtigkeit. Es werden Fragen aufgeworfen, die den Leser nachsinnen lassen über Schuld und Unschuld oder Gut und Böse. Bewusst schafft der Autor mittels Max Überlegungen und den Gesprächen der beiden Freunde eine Verknüpfung zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage. Doch trotz des ernsten Hintergrundes schaffen die beiden Jungen durch eingestreute deutsch-österreichische Sticheleien für Schmunzelmomente. Auch Witze aus der damaligen Zeit, eine in die Geschichte eingewebte Wandschmierereien auf der Holzwand der Plumpsklos im Fürther Bad oder ein Wortspiel zu einem Sammelbild der Zigarettenmarke „Alva“ lockern den Inhalt angenehm auf und zeigen auf ein Neues die unglaublich akribische Recherchearbeit des Autors. Und nicht zu vergessen die leckeren Rezepte wie das der Kärntner Fleischnudeln mit Speckgrammeln und Sauerkraut oder der fränkischen Kartoffelsuppe von Annas Familie, die einem Lust machen, die Gerichte selbst nachzukochen.
    Der Roman „Das Jakoberhaus“ ist ein Buch, das punktgenau zum 75. GEDENKJAHR der gewaltsamen Vertreibung der Kärntner Slowenen erschienen ist. Ob das nun ein Zufall oder eine Marketingleistung ist, sei dahingestellt. Große Aufmerksamkeit wird es jedenfalls in Kärnten finden und hier besonders in den Landesteilen mit einem hohen slowenischen Bevölkerungsanteil. Gerade die im Anhang abgedruckte Liste mit den Nachnamen der Menschen, die 1942 deportiert wurden, mit deren Hofnamen, Vornamen, den Namen weiterer Familienangehöriger, dem Wohnort und den Lagernamen in der Reihenfolge ihrer Verbringung, die in dieser Ausführlichkeit ein einzigartiges Dokument darstellt, wird auf erhebliches Interesse stoßen. Doch ich finde, das ist nicht genug. Auch hier bei uns sollte diesem gelungenen Werk gebührend Beachtung geschenkt werden. Es ist schließlich ein Buch, das Gedenken schaffen will. Gedenken an das Leid der deportierten Kärntner Slowenen. Leid, das in unmittelbarer Nähe zum Heimatort des Autors stattgefunden hat und von dem bisher weder Zeitzeugen, noch die heutige Bevölkerung etwas wusste oder wissen wollte. Es wurde Zeit, diese Ungerechtigkeit publik zu machen, dem Unausgesprochenen Gehör zu schenken und mit dieser fiktiven, aber in vielen Bereichen wirklich so stattgefundenen Geschichte ein kleines Denkmal zu setzen. Hier bei uns. In Mittelfranken. In Hagenbüchach, seiner Umgebung und darüber hinaus. Denn, so resümiert der Autor selbst, „die Frage ist nicht, kann so etwas im heutigen Europa wieder geschehen – die Frage ist, was können wir tun, damit so etwas nie wieder passiert!“

  2. Sabine Stoll

    20. Mai 2017
    Ein toprecherchierter Roman, der auf zwei Ebenen spielt. Zum einen transportiert er sehr mitfühlend das Schicksal der zwangsweise ausgesiedelten Kärntner Slowenen im Dritten Reich und zieht zudem immer wieder Parallelen zur heutigen Zeit. So werden die Fragen nach Recht und Unrecht, Gut und Böse und der Verantwortung für das individuelle, aber auch das staatliche Tun oder Unterlassen gestellt, allerdings nicht vollumfänglich beantwortet. Hier darf sich der Leser getrost seine eigenen Gedanken machen. Interessant ist, dass der Autor seine beiden Hauptprotagonisten im Präsens erzählen lässt. So bekommt die Vergangenheit eine hohe erzählerische Spannung und verbindet sich fließend mit der Jetztzeit.

  3. B.H.

    20. Juni 2017
    Ein interessantes und zugleich fesselndes Buch, gerade für mich als Einheimischen. Ein absolut gelungenes Erstlingswerk. Ich hoffe noch mehr von Bertram Schacher zu lesen.

  4. Kundin

    11. Juli 2017
    „Es waren nur drei kräftige Schläge gegen unsere Haustüre“. Im April 1942. „Wir müssen fort“ flüsterte die Mutter ängstlich.
    So beginnt die Erzählung des im Sterben liegenden Franz, der mit seiner Familie und vielen anderen Kärntner Slowenen nach dem Willen der Naziherrschaft „ausgesiedelt“ und in das „Lager“ Hagenbüchach in Mittelfranken, in das Jakoberhaus deportiert wurde.
    Der damals 15jährige Franz musste schnell erkennen, dass es sich nicht um eine bloße Aussiedlung handelt. Vielmehr sollten die als „unzuverlässige Elemente“ eingestuften Kärntner Slowenen der Zwangsarbeit zugeführt, alles Slowenische ausradiert und Kärnten germanisiert werden.
    Der Autor beschreibt mit großem Einfühlungsvermögen das tatsächlich Geschehene und verbindet dies phantasievoll mit seiner Erzählung. Er verzichtet dabei auf detaillierte Schilderungen physischer Grausamkeiten, welche die ihrer Heimat und ihren Familien entrissenen Menschen ganz ohne Zweifel erleben mussten. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen gelingt es ihm, die Geschichte, das Leid, die Ungerechtigkeit, das Unfassbare dem Leser ganz nahe zu bringen.
    Das alltägliche Leben und das Leid der verschleppten Menschen werden leise und doch so eindringlich geschildert, dass man die (wahren) Begebenheiten nicht nur als eine niedergeschriebene, vergangene Geschichte wahrnimmt. Tragische, schreckliche Geschichte trifft auf Gegenwart und deren Alltag.
    „Es war ein herrlicher Frühlingstag … Die Luft um uns war erfüllt vom vielstimmigen Konzert der Grillen und Heuschrecken … Überall rankten Brombeersträucher zum Licht und das erste Mal verspürte ich wieder das Gefühl von Freiheit. Ich spüre es noch heute – das Herz ist einem leicht vor Freude und gleichzeitig schwer.“ Es ist der 14. Juni. Den gläubigen, entwurzelten Menschen wurde von der Lagerleitung erstmals erlaubt, nach einer mehrwöchigen Quarantäne, an einem Gottesdienst teilzunehmen.
    Die Naziherrschaft ist bei der Lektüre des Buches plötzlich nicht mehr Vergangenheit, nicht mehr unfassbar. Der Roman vermittelt vielmehr in erschreckender Weise die Möglichkeit des Wiedergeschehens, jetzt in unserem Alltag, oder später in der Zukunft.
    Es ist ein packendes, ein nachdenklich stimmendes Buch. Es ist auch eine Mahnung!

  5. A.C.

    21. August 2017
    Ein mitreisender Roman, der den Bogen spannt von der Nazizeit bis zur Frage – kann so etwas heute noch einmal passieren?

  6. Bewertet mit 5 von 5

    Professor Vinzenz Jobst

    Vinzenz Jobst, Professor
    Klagenfurt
    Mit seiner romanhaften Fassung dieses emotional sehr betroffen machenden Themas gelang dem Autor das Kunststück, Menschen aus unserer Region ganz bildhaft in diese Zeit zu führen. Damit schafft ein „Nachgeborener“ ein Erzählerlebnis, wie es höchstens noch ganz spannend erzählende Zeitzeugen zustande bringen. Wir alle sind in einer kollektiven Amnesie aufgewachsen – nichts wurde erzählt; es gab höchstens „Untertöne“, eventuell noch Andeutungen. Das Buch „Das Jakoberhaus“ ist in der Lage, vielen die wahren Missstände begreifbar zu machen.

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