Manfred Pix, Johann Christian Reinhart (1761–1847), Eine Dokumentation in Bild und Wort. Bisher erschienen:

 

Band 1: Vom Lehrling und Akademieschüler zum freien Landschaftsmaler in Sachsen und Sachsen-Meiningen (1779–1789), mit einem Geleitwort von Helmut Börsch-Supan, Neustadt an der Aisch 2018, ISBN 978-3-87707-405-3.

Band 2: Durch „mahlerisch-radirte Prospecte“/„vues pittoresques“, weitere Naturansichten und ideale Landschaften zum führenden deutsch-römischen Landschafter in Rom (1789–1799), Neustadt an der Aisch 2019, ISBN 978-3-87707-406-0.

 

Standardwerk zur Geschichte der “Deutschrömer” im 19. Jahrhundert.

 

Schon jetzt ein kunsthistorischer Standard – das monumentale, sechsbändige Werkverzeichnis des fränkischen „Deutschrömers“! Nachdem der erste Band Ende 2018 mit Vorwort und Empfehlung der Berliner „grauen Eminenz“ für C. D. Friedrich und deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts, Börsch-Supan, und Band 2 gleich im Folgejahr erscheinen konnte, dürfen wir Ihnen jetzt bereits Band 3 und Band 4 gemeinsam vorstellen. Und auch die noch ausstehenden beiden Bände 5 und 6 sind bereits in Vorbereitung.

Reinhart, in Hof geboren, war als Maler, Zeichner und Radierer zusammen mit Anton Raphael Mengs und Jacob Philipp Hackert sowie zeitweise auch Goethe Mittelpunkt einer deutschen Künstlerkolonie und über Jahrzehnte eine Institution in seiner Wahlheimat Rom. Vor allem seine dem Klassizismus und dessen dem Ideal der Antike verpflichteten, heroischen Landschaften prägen Reinharts Oeuvre – das damit ganz im Gegensatz zur zeitgleichen Kunst der romantisch-religiös inspirierten deutschen „Nazarener“ steht. Neben den Naturidyllen in schier unerschöpflicher Varianz faszinieren besonders seine zahlreichen nach dem Leben gezeichneten Tier- und Personenstudien.

Die eigentlich sensationelle Leistung von Pix ist es nicht allein, die erhaltenen und vielen verschollenen Werken („W“) aus öffentlichen wie privaten Sammlungen und dem Kunsthandel in fast durchweg farbig wiedergegebenen Abbildungen zusammengetragen zu haben. Die besondere Stärke seines Opus liegt vielmehr darin, das Gerüst des Werkverzeichnisses in akribischer Fleißarbeit einerseits um wichtige Bilddokumente („B“) zu Leben und Werk zu bereichern, etwa Kartenausschnitte, Buchtitel oder Werke anderer Künstler. Diese Bildzeugnisse hat er andererseits in eine Vielzahl erläuternder schriftlicher Quellen oder „Wortdokumente“ („D“) wie Transkriptionen und Drucke von Tagebucheinträgen eingebettet und alles, gewissermaßen ganzheitlich, zu einem kulturgeschichtlichen Ganzen verwoben.

Während Band 1 das Leben und Schaffen des jungen Reinhart (zu sehen in einem gezeichneten Selbstbildnis um 1785 auf dem Titel) bis zu der Zeit vor dem Aufbruch nach Rom 1789 dokumentiert (ein Highlight darin sicherlich „Friedrich Schiller auf einem Esel reitend“), folgen wir in Band 2 seinen Spuren auf der Reise über Bozen nach Rom. Dort sollte er bis zu seinem Tod bleiben, fast ein halbes Jahrhundert, ohne jemals die Heimat wiedergesehen zu haben. Mit ihm entdecken wir weniger die Ewige Stadt selbst als vielmehr die umliegenden „arkadischen“ Landschaften (siehe die Ideallandschaft mit baumumstandenen Weiher von 1796 auf dem Titel), bilden seine „Prospecte“ als malerisch, „pittoresk“ aufgefasste Ansichten doch eine Art Album. Zu Reinharts Welt gehören ferner Themen wie Jagd und Pferde, aber auch die Gemäldeschätze der hochverehrten „Alten Meister“ in römischem Adelsbesitz.

 

Neuerscheinung: Manfred Pix, Johann Christian Reinhart, Band 3 und 4.

 

Band 3: Vom Neubegründer der klassischen Landschaftsmalerei zum Mitherausgeber, Autor, Übersetzer und Illustrator des Rom-Almanachs (1800–1810), Neustadt an der Aisch 2020, ISBN 978-3-87707-407-7.

 

Johann Christian Reinhart 1761-1847 Eine Dokumentation i. Bild u. Wort Band 3.

„Et in Arcadia ego!“ Landschaften – mit oder ohne Figuren-Staffage, antikisch verklärte Idyllen in schier unerschöpflicher Vielfalt und großer technischer Perfektion, sie prägen Reinharts Schaffen bis 1810 und zugleich seinen Ruf als „Neubegründer der klassischen Landschaftsmalerei“. Pix führt uns das nur scheinbar widersprüchliche Nebeneinander von heroischer Idealität und trivialer, nüchterner Realität vor Augen, es entstehen unzählige Studien nach der Natur: von Bäumen, Blattwerk und Gesteinsblöcken, von blökenden Schafen, sich fläzenden Rindern oder auch schlafenden Hunden, gewissermaßen als Bausteine einer selbst geschaffenen, idealen Welt der Kunst. Daneben finden sich ab 1809 auch Karikaturen für das Projekt eines „Allmanachs aus Rom“, einer Art bebildertem Jahrbuch für Künstler und Freunde der bildenden Kunst und klassischen Literatur.

Zugleich, auch das wird aus Reinharts Korrespondenz überdeutlich, sind die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts gezeichnet von ganz erheblichen Sorgen um den schnöden Mammon – beinahe so, wie seine gemalte Hirtenidylle von 1800-03 auf dem Buchtitel von einem aufziehenden Gewitter und felsigen, tief klaffenden Abgründen bedroht wird. Vom zähen, mühsamen Ringen um die Gunst von Mäzenen und Aufträge ist da die Rede und den wechselvollen Launen des Schicksals. Zugleich fehlt es in Reinharts Rom nicht an „Glamour“: all diejenigen mit Geist und/oder Geld aus allen Ecken Europas, die es an den Nabel der Welt zog, dem „Place-to-be“ der Zeit, ein buntes „Who-is-who“ der Kunst- und Kultur-Szene, Schaffende wie Kunden und Gönner, ein Potpourri von Prominenz aus „Reichen und Schönen“, Adeligen und auch Mächtigen.

 

 

Band 4: Vom kurzzeitigen Kunstberater des bayerischen Kronprinzen, Mitglied der Kunstakademien in Berlin und Rom, königlich bayerischen Pensionär zum „Decanus“ der deutschen Künstler in Rom und leidenschaftlichen Jäger (1811–1828), Neustadt an der Aisch 2020, ISBN 978-3-87707-408-4.

 

Manfred Pix: Johann Christian Reinhart (1761-1847) Band 4

Manfred Pix: Johann Christian Reinhart (1761-1847) Band 4

Und einer dieser Potentaten aus Reinharts römischem „Netzwerk“ war der Kronprinz und spätere König Ludwig von Bayern (ab 1825), der Reinharts Rat in Kunstdingen suchte und ihn gar mit zwei archäologischen Ausgrabungen beauftragte, auf der Suche nach …

Und so lässt sich auch des Künstlers nächste römische Dekade respektive Band 4 eher turbulent und aufwühlend an. Er präsentiert sich mit einer „Sturmlandschaft“ von 1824 auf dem Titel, heute im Besitz des Museums der bildenden Künste in Leipzig, und endet mit Werk Nr. 1011 auf S. 507. Es ist dies die Federzeichnung einer sitzenden Marktfrau in Rückenansicht von 1828, eines der nachgewiesenen Werke, das sich, wie so oft bei auf Auktionen versteigerter Kunst, heute in „unbekanntem Besitz“ und schwer auffindbar ist.

 

 

Johann Christian Reinhart: Band 5 und 6 in Vorbereitung.

Unglaublich! Auf 2003 Seiten ist das Werkverzeichnis Reinharts inzwischen angewachsen, des von der Forschung eher unterschätzten Deutschrömers mit fränkischen Wurzeln. Zwei weitere Bände befinden sich bereits in Vorbereitung. Ein Werk zum Leben und Schaffen einer historischen Persönlichkeit als eigenes persönliches „Lebenswerk“ und Vermächtnis – eine ebenso gute wie nachahmenswerte Idee. Nachhaltig im besten Sinne.

Alle Bände von Pix sind übrigens seiner eigenen Familie gewidmet – der letzte Band explizit mit Dank an die Tochter für „Fürsorge und Strenge“ in schwierigen Corona-Zeiten.