off season

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fadengehefteter Festeinband, 96 Seiten, Format 27 x 21 cm, mit 78 farbigen Fotografien

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Artikelnummer: sonst_0000708 Kategorie:

Beschreibung

off season
Eben noch Kinderlachen. Ballspiele. Gelati schleckende Teenager. In der Sonne aalende, gebräunte, satte Körper. Eisgekühlte Sektflaschen unter Sonnenschirmen. Das nächtliche Stampfen der Discomusik. Aber das Ende der Ferien ist greifbar nahe, der Abschied gewiss. Der Spätherbst leert die Strände. Die Disko- theken verstummen. Die Tanzflächen bleiben ohne Tänzer. Familien mit Schulkindern brechen auf, fahren Richtung Norden. Unterwegs kreuzen sie die Bahnen alljährlich südwärts strebender Zugvögel. Off season. Das ist jedes Jahr neu die Abschiedsgala der Bademeister. Mit Hochdruckreinigern spritzen sie die Liegestühle und Sonnenschirme sauber, holen sie die Tretboote ein. Sie nageln die Strandhäuschen zu, schotten sie mit schweren Holzplatten gegen die zu erwartenden Winterstürme ab. Im Dorf schliessen die Geschäfte. Vor dem vergitterten Kiosk bleibt der Zeitungsaushang ohne Schlagzeile. Der Bus stellt auf Winterfahrplan um. Eine milde Herbstsonne ertrinkt blutrot im Abenddunst über dem Meer. Wellen schleifen die Sandburgen der Kinder. Mit diesem Meer habe ich schon gerungen. Wie lange das her ist!

Heute wehre ich mit meinem Fotoapparat melancholische Trauer ab. Dass aber auch nichts bleiben kann, wie es ist! Die Formsprache meiner Fotografie spiegelt die wehmütigen Gefühle. Immer öfter greife ich zum Weitwinkelobjektiv. Die Welt rückt von mir ab. Wasser- und Sandflächen. Leere Räume. Der weite Winkel krümmt die Uferlinie, wölbt den Horizont, gibt der Erde ihre Rundung zurück, lässt sie schrumpfen. Und mich stellt dieses Objektiv an meinen bedeutungslosen Platz zurück.

Off season.
Das bin ich. Wie ich da stehe, die Füsse im Wasser. Den Wellenschlag zwischen den Beinen. Mit jeder Welle eine neue Erinnerung. Das Wasser schwemmt mir den Sand unter den Füssen weg. Ich sinke ein, verliere Halt. Was immer ich fotografierte, war es mehr als Oberfläche? Die Zeit ist flüchtig. Erst war sie analog, jetzt ist sie digital. Ich muss an die vielen von mir fotografierten Menschen denken, die schon nicht mehr sind. Meine Fotos gleichen den Spuren der Strandgänger im Sand. Jede neue Flut radiert sie mitleidslos weg. Die Bilder, die mir verbleiben, sind von der abfliessenden Zeit ausgeschwemmte Larven, sind Hüllen. Dennoch, – kommt der nächste Herbst, kehre ich zurück. Meine Kamera mit dabei. Ich werde fotografieren – solange mir das vergönnt ist.

Peter Schneider, Jurist, Berufs- und Fachhochschullehrer. Während Jahren freier Journalist, Fotograf, Verfasser von Foto-Reportagen für Zeitungsmagazine, Autor zahlreicher Bücher. Mehr zu seiner Biografie unter www.peter-foto.ch

off season
Just now laughing children, ball games, gelato-licking teenagers, well-fed, suntanned bodies lazing in the sun, chilled champagne bottles shaded under umbrellas, the nightly drone of disco. But the end of vacation is drawing close, the farewell certain. Late-fall empties the beaches. Discos fall silent. Dance floors stay devoid of dancers. Families with school-age children are homeward bound, traveling north. Along their journey, they cross paths with southbound migratory birds, year after year. Off season. Every year the same closing ritual of the lifeguards: power-washing the beach chairs and parasols, dry-docking the pedal boats, boarding up beach cottages to protect them from the expected winter storms. In the village the stores close; the shuttered newsstand has no new headlines to offer; the bus starts operating on a reduced schedule. A mild autumn sun sinks blood red into the evening haze hovering above the water. Waves flatten the children’s sand castles. I have wrestled with this sea—so long ago!

Today I use my camera to ward off melancholy sadness. Why can nothing ever stay the same! The aesthetic form of my images mirrors these wistful feelings. Increasingly, I reach for the wide-angle lens. The world recedes. Stretches of water and sand. Empty rooms. The wide-angle lens renders the shoreline crooked, bulges the horizon, gives the earth back its curves and shrinks it. And this lens puts me back into my insignificant place.

Off season.
This is who I am, standing there, feet in the water. Swirling waves between my legs, each wave a new memory. The water washes the sand out from under my feet. I sink, lose my balance. Whatever I captured with my camera, was it more than surface? Will it have been more than superficiality? Time is fleeting; at first analog, now digital. I can’t help thinking of the many people in my pictures who are already gone. My photos are like footprints in the sand. Each new tide erases them mercilessly. The pictures left to me are of hulls hollowed out by elapsing time, are empty husks. And still, comes next fall, I will be back, camera in hand. As long as I am given the chance, I will take pictures.

Peter Schneider is a photographer from Zürich. His photos are regularly published in Press magazines and his work has been featured in a variety of exhibitions and published in a number of books. For more information, see www.peter-foto.ch

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Gewicht 1 kg
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